Heinrich-Heine-Gymnasium Bitterfeld-Wolfen
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Heinrich Heine

Traditionsgemäß gab es in der DDR viele Schulen, die diesen Namen trugen. Ob es an der Freundschaft Heines mit Karl Marx lag, an der tiefen Liebe Heines zu Deutschland, an der Verspottung chauvinistisch gesinnten Kleinbürgertums das kann sich jeder selbst ausdenken.
Die Nationalsozialisten haben Heines Bücher verbrannt, die Loreley zum Volkslied (Dichter unbekannt) verlogen, und auch die Bundesrepublik hatte in den ersten 20 Jahren Schwierigkeiten im Umgang mit dem "Wintermärchen", werden doch hier der deutsche Nationalismus und die deutsche Geschichte in ihrer Fehlentwicklung kritisiert.

Warum also haben WIR uns entschieden, unserem Gymnasium den Namen Heinrich Heine zu geben? In der literarischen Festveranstaltung zur Namensgebung überraschten die Schüler das Publikum mit der Feststellung: "Ich bin Heine". Eine größere Sympathiebekundung gibt es sicherlich nicht. Aber was macht Heine denn nun zum gewollten Namenspatron?

Geboren wurde "Harry" am 13.12.1797 in Düsseldorf als ältester Sohn des jüdischen Textilkaufmannes Samson Heine und seiner Frau Peira (genannt Betty, geb. van Geldern). Heines Lebensbedingungen waren immer verknüpft mit der "großen Politik" der Herrschenden, sei es der Emanzipationsprozess, mit dem die Lebensbedingungen der Juden verbessert werden sollten, sei es die französische Fremdherrschaft oder die folgenden Einschränkungen der Bürgerrechte für Juden.
Dass sich das alles auf den Schüler (Lyceum in Düsseldorf), Banklehre (1815-17 in Frankfurt) auswirkte, kann man daran erkennen, dass Heinrich trotz der materiellen Hilfe des Onkels mit der Handelswelt in Konflikt geraten ist. Vielleicht lag es auch an der empfundenen "geistlosen Betriebsamkeit" des Geschäfts, dass er mit einem eigenen scheiterte und 1819 Pleite ging.
Durch die materiellen Zuwendungen des Onkels gelang es Heinrich, sein Studium (1819-25) in Jura zu absolvieren. Auch hier hat er es sich nicht leicht gemacht: von Bonn wechselte er nach Göttingen, Berlin, Hamburg und wieder zurück nach Göttingen; neben juristischen Vorlesungen hörte er auch philosophische, historische, literarische und philologische; neben den Studienverpflichtungen verfasste er Gedichte und versuchte sich an Reiseerzählungen. Im Salon Rahel Varnhagen von Ense lernte er Humboldt, Hegel und Bettina von Arnim kennen.
Nach Taufe 1824 und Eintritt in die evangelische Kirche änderte er seinen Namen in Christian Johann Heinrich um. Kurze Zeit später promovierte er zum Dr.jur.

Schon damals hatten Absolventen Schwierigkeiten eine Anstellung zu bekommen. Heine versuchte sich an einigen Hochschulen, hatte aber keinen Erfolg. Die nun freie Zeit nutzte er zum Reisen, was erfahrungsgemäß ja auch bildet. Mit seinen "Reisebildern" wirkte er ab 1826 stilbildend für eine neue Prosaliteratur, seine Gedichtsammlung "Buch der Lieder" fand 1827 erste Beachtung und trug ihm später nationalen und internationalen Ruhm ein.
Hoffnungsvoll schaute Heine auf die Ereignisse in Frankreich, war enttäuscht, dass die Julirevolution keine Auswirkungen auf Deutschland hatte.
Als Berichterstatter der "Allgemeinen Zeitung" Augsburg siedelte Heine 1831 nach Paris. Hier fühlte er sich am Herzschlag der Zeit. Ob er schon damals wusste, dass sein Heimweh - trotz der politischen Zustände in Deutschland (und dem Bücherverbot ab 1833) - so heftig werden und sein freiwilliges Exil so lange dauern würde? Gut, dass ihm der französische Staat von 1835-48 eine jährliche Pension bezahlte.
1841 heiratete er Eugenie (Mathilde) Mirat, von der Freunde sagten, sie wäre ungebildet, unwissend, launisch, ungezügelt und herrisch. Heinrich sprach von ihr in zärtlichen Worten, verzieh ihre Geldverschwendung und war über ihre (kindliche) Liebe froh, die auch die Krankheitsjahre überdauerte. Übrigens sprach sie nur französisch.
Im Herbst 1843 kehrte Heine nach 12jährigem Exil zum ersten Mal nach Deutschland zurück, (trifft Karl Marx) und nach seiner Rückkehr waren die emotionalen Eindrücke so lebendig, dass das "Wintermärchen" nur in abgeschwächter Form veröffentlicht werden durfte und das Buch nach heftigen Reaktionen im Deutschen Bund verboten wird.
Ab 1848 verschlimmerte sich Heines Krankheitszustand durch eine Rückenmarksschwindsucht, die ihn ans Bett fesselte. Schon seit 1832 plagten ihn Kopfschmerzen, Magen- und Darmstörungen. Das zeugt von Nervenleiden, Multipler Sklerose oder auch Syphilis. Oft wurde darüber debattiert, dass die Krankheitssymptome wahrscheinlich der einer Bleivergiftung glichen, doch keiner kann nachvollziehen, wie sehr Heine jahrelang gelitten hat.
Am 17.02.1856 verstarb Heinrich Heine, der seine "Matratzengruft" acht Jahre lang nicht mehr verlassen konnte.
Sein Grab kann man auf dem Friedhof Pere Lachaise besuchen.

"Ich bin Heine" – diese Identifikation fiel den Schülern in der Festveranstaltung leicht. Die vielen Facetten der Persönlichkeit Heinrich Heines, seine geistvollen, empfindungsreichen Lyrik- und Prosatexte sprechen uns Menschen auch heute noch an, treffen auf "Himmel hoch jauchzend - zu Tode betrübt" – Gefühle (Übrigens soll Goethe ihn aus dem Haus komplimentiert haben, nachdem Heine ihm erklärte an einem Stück mit Titel Dr. Faustus zu arbeiten.) Seine Vorstellungen von einem demokratischen Deutschland/Europa sind modern.
Ein kleines Stück Heines kann also jeder in sich selbst finden. Es lohnt sich, in den Texten zu schmökern.

Heine - einer der bedeutendsten deutschen Dichter des 19.Jahrhunderts, Journalist, Essayist, Satiriker, Polemiker, Kritiker

Ursprünglich: Romantik
Später: Aufklärung
Dann Richtung: Realismus/Symbolismus

Für seine Kritik an den politischen Verhältnissen in Deutschland wurde er geliebt, bewundert, aber auch gefürchtet. Da er gesellschaftliche Verhältnisse durch seine Kritik und seinen Witz treffend und vernichtend darstellte, wurde er als "Vaterlandsverräter" beschimpft. Seine Denkmäler wurden immer wieder zerstört und sein Grab geschändet.

Meinungen zu Heinrich Heine (nachzulesen: Wikipedia "Heinrich Heine" 1.7/4.)

  • "... amüsanter deutscher Klassiker ..." H. Kersten
  • "Der Wohlklang, der Scharfsinn und der Stil ... ein Stück Weltliteratur in deutscher Sprache." M. Reich-Ranicki
  • "... ist der unsterbliche Vater der modernen deutschen Prosa" A. Zweig
  • "... er besaß eine göttliche Bosheit, ohne die ich mir das Vollkommene nicht zu denken vermag" F. Nitzsche
  • "Heine sagt sehr bissige Sachen und seine Witze treffen ins Schwarze. Man hält ihn für arm und böse, aber nichts ist falscher, sein Herz ist so gut wie seine Zunge schlecht ist. Er ist zärtlich, aufmerksam, aufopfernd, in der Liebe romantisch, ja schwach, und seine Frau kann ihn unbegrenzt beherrschen." Georg Sand
  • "Mein Mann macht dauernd Gedichte, aber ich glaube nicht, dass dies besonders viel wert war, denn er war nie damit zufrieden." (Mathilde)